Biografisches

Günter Pietsch

 

Ich wurde 1935 in Memel/Ostpreußen geboren. Die Flucht aus Ostpreußen bei Kriegsende und weitere Umsiedlungen führten mich über Sachsen nach Mecklenburg, wo ich 1954 in Bergen auf Rügen Abitur machte. Mein frühes Interesse fürs Zeichnen führte zu einem Kunsterzieher-Studium in Greifswald, das ich 1959 mit dem Staatsexamen abschloss.

Nach der gemeinsamen Flucht mit meiner Frau in den Westen Deutschlands 1960, begann ich 1961 erneut mit einem Kunststudium an der HfbK Hamburg, dem sich ein Referendariat bis 1964 anschloss. Anschließend war ich von 1964 – 1997 Kunsterzieher am Matthias-Claudius-Gymnasium in Hamburg, ab 1975 parallel dazu Fachseminarleiter für Kunsterziehung am Staatlichen Studienseminar.

 

Nach meiner Pensionierung 1997 begann ich mit einer intensiven Beschäftigung mit Malerei und Fotografie, die im Laufe der nächsten Jahre zu regelmäßigen Ausstellungen führte. Ab 2002 bin ich Mitglied im BBK Hamburg.

 

Mein erstes Studium in Greifswald vermittelte mir neben der traditionellen Freilichtmalerei, die mich bis zur Klassischen Moderne führte, was das "Kunsthafte"(Adorno), also was das Künstlerische an der Kunst ist. Das Studium in Hamburg verschaffte mir den Anschluss an die Kunst der Gegenwart. Aber erst die intensive, selbständige, praktisch-malerische Auseinandersetzung mit Malerei, führte nach meiner Berufszeit bei mir zu einer Synthese malerischer Konzepte, zur Schlüssigkeit der malerischen Darstellung und zur Sicherheit für dasjenige, was spezifisch künstlerische Qualität ausmacht.

 

Heute bin ich ein Ateliermaler, der Gesehenes, der Erlebtes, Vorgestelltes und Erinnertes sichtbar machen will. Neben Landschaften spielen immer mehr menschliche Figuren eine Rolle, die ein erzählerisches Moment in die Bilder hineinbringen. Für den malerischen Arbeitsprozess nutze ich neben meinen Erfahrungen des Naturstudiums, u.a. auch aleatorische Verfahren, Techniken der Surrealisten und der abstrakten Expressionisten, die zusammen mit einer beherrschten Spontaneität zunächst zu einer offenen, chaogenen Struktur führen. Die entstehenden Binnenstrukturen resultieren somit nicht aus vorbestimmten, bloß abbildenden Formen. In einem zweiten Schritt versuche ich die Forderungen, die das Entstehende an mich stellt, mit meinen Vorstellungen von Ganzheitlichkeit, von Komposition und Bildstruktur zu verbinden. Jetzt sind auch gegenständliche Assoziationen erlaubt und erwünscht.

Mein Ziel ist jetzt, den Malprozess zwischen dem Kunstwollen, dem Erlebtem und Erfundenem und dem ständig neu Entstehendem so offen zu halten, dass ein spannungs-volles, dynamisches Gleichgewicht entsteht. Die durch teilweise Übermalung bestimmter Partien entstehende Schichtungen thematisieren Prozessualität, so dass sich auch im Betrachter Wahrnehmungs- bzw. Emotionsprozesse anbahnen können.

Gelingt dies, dann wirken die Bilder frisch, echt und kommunikativ. Authentizität entsteht demnach nicht mehr durch die Übereinstimmung mit dem Gesehenen, sondern durch die augenblickliche Überzeugungskraft des Hervorgebrachten. So entgehe ich der Beliebigkeit.